Wahre Wunder unserer Zeit
Ich wurde im Sommer 1972 in der Nähe von Aachen geboren, Krebs als Sternzeichen. Ich war das erste Kind meiner lieben Eltern, ein Wunschkind. Meine Mama erklärte mir die Welt, sie benannte jedes Insekt und jedes Pflänzchen, jedes Tier und sah jede Kleinigkeit in der Natur. Das führte dazu, dass ich bereits mit zwei Jahren so gut sprach, dass man sich mit mir richtig unterhalten konnte. Meine Mutter, die nie viel gereist war, erzählte von fremden Ländern, als wäre sie wirklich dort gewesen und besonders liebte sie die Berge und Schweden.
Als Kind war ich bereits sehr sensibel und intuitiv. Ich sprach mit Bäumen und hielt mich am liebsten draussen in der Natur auf. Wenn andere Kinder Äste von Bäumen abbrachen oder Gras und Blätter ausrissen, brachte mich das oftmals zum Weinen. Auf dem Weg in den Urlaub schenkte mir ein Nachbar eine Blume, die ich mehrer Stunden mit dem Stängel im Mund aufbewahrte, da ich hoffte, sie so vor dem Vertrocknen retten zu können. Natürlich gab es bei uns auch nur Weihnachtsbäume mit Wurzelballen, was dazu führte, dass wir bald einen kleinen Tannenwald im Garten besassen.
Mit 13 Jahren teilte ich meinen Eltern mit, dass ich irgendwann in Schweden leben würde, in einem kleinen roten Haus mit weissen Fenstern. Inspiriert durch die Erzählungen meiner Mama wurde dieses Land auch zu meinem Sehnsuchtsort.
Ich überlegte wie ich es anstellen könnte, eine Arbeit dort zu finden und war überglücklich, als mein damaliger Arbeitgeber eine Niederlassung in Schweden eröffnete, wo ich arbeiten konnte.
Wie es im Leben manchmal so ist, lernte ich, gut sechs Monate vor meinem Umzug, meinen damaligen Ehemann kennen und entschied mich dafür, hier in Deutschland zu bleiben und eine Familie zu gründen
Ein rotes Haus in Schweden
Mein ehemaliger Eheman mag der netteste Mensch der Welt sein, jedoch führte das nicht zu Wachstum für mich und so trennten sich unsere Wege als meine jüngste Tochter noch recht klein war. Für eine Zeit lang hatte ich einen Partner aus Schweden, mit dem ich leider auch nicht glücklich wurde, mit dem ich jedoch oft im hohen Norden in der Bergwelt Lapplands wanderte. Am Fusse des Kebnekaise verliebte ich mich in eine traditionelle samische Handarbeit, die ich ein Jahr später dort erlernen durfte, da war die Beziehung zu diesem Mann bereits beendet.
Manchmal merkt man eben erst rückblickend wozu manche Dinge gut waren. Dieser Gedanke kam mir erneut, als ich eines Morgens ein Bild im Internet sah mit dem Vermerkt " Das könnte sie interessieren" . Zum Verkauf stand ein wunderhübsches, traditionelles Schwedenhaus mit roten Brettern und weissen Fensterchen. Mein Herz schlug wie wild, als ich zum ersten Mal die Schotterpiste durch den Wald fuhr, um das Haus zu besichtigen.
Beim ersten Blick war mir klar: DAS IST ES! ..und ich kaufte das Haus mit dem Geld aus der Scheidung. Wieder dachte ich....interessant wie das Leben so spielt. Nun hatte ich ein Haus in Schweden und war selbstständige Kunsthandwerkerin mit schwedischer Kunst. Ich konnte von überall arbeiten und war frei zu reisen. Mit viel Liebe und Hingabe renovierte ich das Haus und noch heute, wenn ich im Herbst drei Tage das Laub zusammenreche, denn so lange dauert es die Blätter der drei grossen Ahornbäume zusammenzurechen, muss ich oft weinen vor Freude, dass ich mich um dieses wunderschöne Stückchen Erde mit seinem roten Häuschen kümmern darf.
Eine Altbauwohnung mit Parkplatz in Köln
Meine schwedischen Nachbarn liebe ich sehr. Und obwohl ich nicht in Schweden geboren wurde bekam ich mit 47 Jahren nochmal schwedische Eltern.
Nachdem meine Ehe geschieden wurde und ich 20 Jahre in Unterfranken gelebt hatte, beschloss ich dort endlich die Zelte abzubrechen, denn ich hatte mich dort nie heimisch gefühlt. Es stellte sich schnell heraus, dass es unmöglich erschien in Köln eine Wohnung zu finden, suchten wir bereits gute zwei Jahre danach. Ich wagte schliesslich ein risikoreiches Unterfangen und setzte die Idee um, mit meiner jüngsten Tochter in eine Zwischenmiete nach Köln zu ziehen und von dort aus weiterzusuchen. Dazu musste ich einen 20 Jahre alten Hausstand, mit zwei Kindern, alleine auflösen - das Haus mit 200 qm alleine renovieren und mit allen Sachen 300 km nach Köln umziehen. Mein damaliger bindungsänstlicher Freund hatte mich rechtzeitig vor diesem Kraftakt verlassen und so stand ich allein da, mit wenig Geld, keiner Hilfe aber sehr viel Verantwortung.
Ich möchte Euch die Geschichte erzählen, denn nachdem ich mein Haus in Schweden manifestiert hatte, einen Selbstsändigen Job und schwedische Eltern, manifestierte ich eine wunderschöne Altbauwohnung, zentral in Köln, mit zwei Balkonen, Parkettböden und eigenem Parkplatz vor der Tür, in bester Wohnlage, zu einem unfassbaren Preis ...und achja... der Vermieter fragte mich nicht einmal nach meinem Job und meinem Einkommen....ist das spannend?
"Destiny" half beim Umzug
Mein damaliger Freund hatte sich also abgesetzt und mein ehemaliger Mann war der Meinung, dass es meine alleinige Aufgabe sei, den 20 Jährigen Hausstand aufzulösen. Da ich in Franken nicht wirklich Freunde gefunden hatte, war es tatsächlich so, dass ich den Umzug alleine schaffen musste. Ich erledigte alles zuerst in meinen Gedanken. Ich erinner mich noch daran, als mein ehemaliger Mann zu mir sagte " Du kannst nicht umziehen, Du schaffst es niemals das Haus leer zu kriegen". Da hatte ich nur einen Gedanken im Kopf " Ich bin schon lange umgezogen, Du weisst es nur noch nicht"
Ich schaltete am nächsten Tag eine Anzeige, dass ich Hilfe beim Umzug suche und bereits am selben Tag meldete sich ein junger Mann, mit dem schönen Namen "Destiny" , was Schicksal bedeutet.
Es stellte sich heraus, dass er Spieler einer Football Mannschaft war! Damit war das Problem des Tragens und Schleppens schnell gelöst. Ich kündigte also das Haus und räumte in zwei Monaten alles leer. Warum zwei Monate? Nun, meine Kündigungsfrist betrug drei Monate, weswegen ich mich etwas sorgte, denn das bedeutet für mich einen Monat doppelt Miete zu zahlen.
Nach dem ersten Treffen mit den Nachmieter geschah jedoch ein weiteres kleines Wunder. Sie selber mussten früher ausziehen und fragten mich, ob sie nicht einen Monat früher einziehen dürften. Aus Dank dafür würden sie auch die gesamte Renovierung übernehmen! Ich konne es kaum glauben. Ich war so glücklich, dass ich die 200 qm nicht alleine streichen musste, dass ich am selben Tag ein Facebook Posting machte, wie froh ich war, worauf sich ein Facebook Freunde meldete, mit dem ich noch nie zuvor gesprochen hatte. Er hatte einen LKW und fragte mich ob ich Hilfe bräuchte, er würde mich zum Selbstkostenpreis mit meinen Sachen von Würzburg nach Köln fahren. Ich konnte einfach nicht glauben, was hier vor sich ging. In der Zwischenzeit hatte ich ( nach einer Liste) alle Gymnasien von Köln angeschrieben, um für Ida einen Schule zu finden. Nur eine einzige sagte zu und es stellte sich später heraus - es war das zweit nähste Gymnasium an unserem zuküftigen zu Hause, nur 4 Stationen mit der Strassenbahn entfernt. Schiesslich kam der Tag der Hausabnahme. Meine damalige Vermieterin war nicht meine beste Freundin, ich reichte Ihren Ansprüchen nicht und ich befürchgtete, dass sie mir noch Steine in den Weg legen würde. Als sie kam, es war schon spät geworden. Sie war sehr nett, fast freundschaftlich und sagte zu mir: "Melanie, das hätte ich niemals für möglich gehalten, was Du hier geleistet hast. "Du brauchst heute Nacht nicht mehr putzen hier. Du kannst schon nach Köln fahren, ich erledige das für dich."
Da wir von 200 qm vollmöbliert, in eine möblierte Zwischenmiete einzogen, suchte ich ein Möbellager für unsere Sachen. Es stellt sich später heraus - es war von unserer neuen Wohnung nur ca fünf Autominuten entfernt. Wir lebten also in der Zwischenmiete und versuchten vor Ort eine drei Zimmer Wohnung in Köln zu finden, in nur fünf Monaten. Selbst für eine Familie mit zwei Verdienern wäre das sportlich gewesen, ich jedoch war alleinerziehend und hatte keinen festen Job. Die Wochen vergingen schnell, ich bekam nur zwei Besichtigungstermine aufgrund meiner finanziellen Situation. Eine Wohnung hätten wir sogar haben können aber ich lehnte ab, da es sich nicht richtig anfühlte. Vor meinen augen hatte ich eine andere Wohnung gesehen. Alle bestätigten mir, dass ich verrückt sein müsste. Ich aber sagte zu Ida stets:" unsere Wohnung ist nicht auf dem Markt, denn dort wählen sie uns nicht, sie wird so aussehen, wie wir sie uns wünschen, sie wird das kosten, was wir uns leisten können und sie wird dann frei sein, wann wir es brauchen." "Eine Wohnung in Köln zu finden ist einfach und macht Spass!" Das machten wir zu unserem täglichen Mantra und drei Wochen bevor wir auf der Strasse gestanden hätten ging es auf einmal ganz schnell. Jemand kennt einen, der einen kennt, der einen kennt...."ruf da mal an!". In einer der schönsten Wohngegenden Kölns, eine weisse Villa mit drei Parteien, zwei Balkonen, Parkettböden, Altbau.... und Parkplätzen vor der Tür. Ihr könnt Euch denken, wann die Wohnung frei wurde? Ich zahlte keinen einigen Tag irgendwo doppelte Miete. Der Vermieter unterschrieb mit mir den MIetvertrag und fragte mich erst im Anschluss, " Was arbeitest Du eigentlich?" und dann fügte er hinzu "Ach, du wirst schon wissen ob du Dir die Wohnung leisten kannst." Sie kostet fast auf den Cent genau das, was meine Grenze war. Schliesslich kam noch eine Überraschung. Da wir zuvor ein Ankleidezimmer hatten, fehlte uns ein grosser Kleiderschrank und unsere alte Küche hatten wir, nach 20 Jahren, entsorgen müssen. Die Vormieterin sagte zu uns beim letzten Treffen " Achso, ich müsste zwei Dinge hier lassen, wäre das ok für Euch sie zu übernehmen?" Es war eine schöne Küche und ein riesiger Kleiderschrank. Immer wenn der Schornsteinfeger kommt, macht er den gleichen Witz. "Frau Pawolka", sagt er...."eine schöne Gegend ist das hier! Hier wohnen nur Millionäre.....und Sie! "